Zhangjiajie

Written by Esther on Dienstag Oktober 31, 2017 - Permalink -

Zhangjiajie wird in Reiseführern damit beworben, dass die Karstlandschaft mit ihren mit Bäumen bewachsenen Felsnadeln Vorbild für die schwebenden Berge im Film Avatar gewesen sein soll – wovon ich mich natürlich unbedingt selbst überzeugen will! Da beiße ich auch bei den saftigen 35€ Eintritt die Zähne zusammen. Mein Ärger über den unverschämten Preis ist aber schnell verflogen, als ich nach den ersten Serpentinen und Tunneln eine Gruppe Makaken durch die Bäume turnen sehe. Shuttlebusse für Touristen überholen mich im 5-Minutentakt, aber was sollte man auch anderes erwarten, gehört der Nationalpark ja zu den als "AAAAA-class scenic spot" bewerteten Touristenattraktionen in China!

Am nächsten Tag stelle ich dann wieder einmal fest, dass mir Treppen einen Strich durch die Rechnung machen und ich nicht wie geplant einfach mit dem Rad durch den Park fahren kann. Also stelle ich mein Rad ab und mache mich zu Fuß auf den Weg am Golden whip stream entlang, und bewundere die hunderte Meter hohen Felsnadeln, die in bizarren Formen über mir aufragen. Ein Affe müsste man sein, dann könnte man sich von Ast zu Ast bis zu den Bäumen auf dem Gipfelplateau hochhangeln - oder sich von den vielen Touristen durchfüttern lassen^^. Ich nehme dann aber doch lieber die steile Treppe, die gefühlte tausend Meter hinauf auf ein Plateau führt. Von dort hat man einen fabelhaften Ausblick auf die zerkflüfteten Berge und lautstarke Reiseleiter schleusen ihre Tourgruppen von einer Felsbrücke zu den "Hallelujah-mountains". Scheinbar hat hier jeder einzelne Berg einen Namen, je nachdem woran seine Form erinnert - ich habe einen Berg auf den Namen "monkey eats a banana" getauft.

Um mir das Geld für die Seilbahn zu sparen, wandere ich dann auch die gefühlten 1000 Meter wieder runter - und handle mir einen fiesen Muskelkater ein - dafür bin ich hier ganz allein unterwegs, und nehme stattdessen bei Sonnenuntergang noch einmal die Seilbahn auf ein anderes Plateau mit atemberaubendem Ausblicken auf ein ganzes Felsenmeer. Als ich wieder unten ankomme, stelle ich fest, dass wohl so spät kein Shuttlebus mehr fährt, aber es nimmt mich jemand mit dem Auto mit zum nächstgelegenen Ausgang, wo mich sein Kumpel abholt, der dort eine Ferienwohnung hat. Am nächsten Morgen spaziere ich dann am Golden whip stream entlang zurück zu meinem Fahrrad. Erleichtert darüber, dass es sich heute Nacht, als ich es ungeplanterweise allein gelassen habe, nicht verselbstständigt hat, breche ich zum Pass am südlichen Ausgang auf.