Türkei - Schwarzmeerküste

Written by Esther on Montag Juli 25, 2016 - Permalink -

Jetzt bin ich schon seit über einem Monat in Russland unterwegs und habe immer noch nicht über die Türkei und Georgien berichtet - ein  (nicht ganz so) kurzer Nachtrag. Am 20. Mai bin ich mit Zeno endlich aus Istanbul aufgebrochen - nicht ohne vorher noch bei Karaköy Güllüoglu, dem besten Baklavaladen in Istanbul Wegproviant mitzunehmen (:. Von dort ging es den Bosporus entlang ans schwarze Meer, wo es zunächst deutlich felsiger, windiger und regnerischer ist als erwartet und auf den holprigen Feldwegen mir meine Spoilerfigur, die kleine Wackelschildkröte, über Bord geht, und Zeno von da an einige Probleme an seinem Liegerad bereiten. Als wir dann einen iranischen Tourenradler aufgabeln, der zwischenzeitlich auch noch Probleme an seinem Fahrrad hat, frage ich mich allmählich, wie es sein kann, dass ich mit meinen schon 3500km keine Probleme habe, während meine Begleitung, die beide erst in Istanbul losgefahren sind, ständig was am Rad hat ((%. Aber ich lerne in der Türkei und Georgien, dass es sich immer lohnt, sich aufhalten zu lassen, die "verlorene" Zeit ist meistens die beste. In Zonguldak, von wo wir eigentlich - wieder zu zweit - ins Landesinnere abbiegen wollen, treffen wir spontan einen Radfahrer auf der Straße, der uns bei der Suche nach einem Radladen hilft und uns in einem Cafe auf der Kaimauer zum Essen einlädt (obwohl wir ihn einladen wollten). Er empfiehlt uns die landschaftlich schöne Strecke an der Küste zu fahren - also weiter am Meer. Im nachhinein betrachtet war es ein guter Ratschlag, die Küstenstraße ist nur wenig befahren und bietet eine Wahnsinnsaussicht auf das Meer. Wenn man das mit dem Fahrrad fährt flucht man natürlich furchtbar über die Höhenmeter - ständig geht es hoch auf eine Klippe und wieder runter in einen Taleinschnitt, mit Anstiegen, die mich an die Grenze meiner Gangschaltung bringen! Später finde ich heraus, dass ich auf der Strecke mit Zeno 10000 Höhenmeter hochgestrampelt bin^^. Dafür zelten wir auf Klippen am Meer und sehen Delfine, und finden einen einsamen Babyhund, den wir einen Tag in meiner Lenkertasche mitnehmen. Am liebsten hätte ich den kleinen "Böle" nach Russland geschmuggelt, die Hitze und das Geschaukel sind aber doch nicht das Richtige für ihn. Als wir am Abend in einem Ort stranden, wo ich die Schraube meiner Sattelstütze aus Versehen abbreche, und Dank tatkräfigem Einsatz hilfsbereiter Türken unter der Aufsicht von Zeno ein Ersatz gebastelt wird, werden wir zum Übernachten eingeladen und ein kleiner Junge darf unseren Babyhund behalten (*schnüff*). Überhaupt muss ich sagen, dass einem in der Türkei immer weiergeholfen wird, egal ob man fragt oder nicht ((:, und alles immer "no problem!" ist, egal ob es kein vegetarisches Essen auf der Speisekarte gibt - dann wird einfach im Nachbarlokal eine Pide bestellt - oder man kein türkisch versteht - hier kann man sich prima mit Händen und Füßen verständigen und im zweifelsfall gibt es noch den Verwandten in Deutschland als Telefonjoker ((:.
In Sinop verabschiede ich Zeno - von da an geht es (so denke ich) erstmal allein weiter. Jetzt kann ich die autobahnartig ausgebaute Küstenstraße nach Georgien entlangheizen. Als ich am 2. Tag nach Sinop vormittags meine Wäsche an einem Brunnen wasche, kommt plötzlich eine einsame Babykatze mit vereitertem Auge an... *miao, miao...* Weil ich doch anibiotische Augentropfen dabeihabe wird sie eingepackt und am Abend bei einem Radladen vor Samsun samt Augentropfen verschenkt, wo ich 2 deutsche Tourenradler treffe! Jonathan und Natasja fahren 2 1/2 Monate im Sommer durch die Türkei und ich bin beeindruckt von ihren Türkischkenntnissen. In Samsun teilen wir uns ein Hotelzimmer und fahren noch einen Tag zusammen vorbei an Amazonen und durch Orte, wo man entweder nur Reis oder Ford Transits kaufen kann^^. Am Tag darauf geht es Natasja nicht so gut, und die beiden machen eine Pause, ich fahre weiter. Allmählich habe ich es doch etwa eiliger nach Georgien zu kommen, auch weil der Ramadan begonnen hat und es tagsüber keinen leckeren Kebab mehr zu kaufen gibt )=. Also heize ich die Küste entlang. Irgendwo vor Trabzon steht einer an der Straße und fotografiert mich! "I got to tell you something!" Er ist ein warmshowers Host, der die ganzen Tourenradler an der Straße abfängt! Er zeigt mir ein Video von Leuten, die zuletzt bei ihm übernachtet haben - ich traue meinen Augen nicht: Ein Schweizer mit Solarpannelanhänger und Andi & Steffi, die ich im Hostel in Istanbul getroffen habe und jetzt gerade in Trabzon sind! Also fahre ich weiter nach Trabzon, hole dort erst einmal im 5-Sterne Zorlu Grand Hotel meinen Reisepass mit dem Russland und Kasachstan-Visum ab, suche mir ein günstiges Hotel zum Übernachten und verabrede mich mit Andi und Steffi zum Frühstücken. Als es am nächsten vormittag nicht aufhört zu regnen, lasse ich mich von Andi überreden doch noch einen Tag Pause zu machen, und er bietet mir an, nach meinem Rad zu schauen. Ein französischer Radfahrer triift noch zu uns, und gemeinsam machen wir uns auf die Suche nach einem Radladen, wo Andi begeistert an meinem Rad rumschraubt - der Besitzer schlägt vor ihn dort zu behalten ((: - und meine Kettenblätter austauscht, sodass ich noch kleinere Gänge bekomme, die ich gleich auf dem Weg zu Andis und Steffis Host auf einer mindestens 20% Steigung testen darf - erfolgreich. Dort plane ich meine weitere Route und entscheide über Georgien nach Russland weiterzufahren, damit ich sicher zur Hochzeit meines Bruders an einem Ort bin, von wo ich einen Flug nach Deutschland bekommen kann. Die Wartezeit fürein Aserbaidschan-Visum und die Fähre nach Kasachstan könnten zuviel Zeit kosten. Leider muss ich so mein teures Kasachstan-Visum verstreichen lassen. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von unserem warmshowers Host Seyfi, der unsere Räder mit Rosen dekoriert hat, und ich fahre zunächst gemeinsam mit Andi und Steffi, die dann zu einem See in den Bergen abbiegen, wo sie Steffis Geburtstag feiern wollen. Vorbei an Teebergen fahre ich noch einen Tag weiter bis zur georgischen Grenze, wo ich Seyfi wiedersehe, der mit dem Motorrad dorthin gefahren ist...
Fortsetzung folgt.