Russland Teil 5 - Altaigebirge

Written by Esther on Mittwoch September 14, 2016 - Permalink -

Weil ich im Uralgebirge länger gbraucht habe als gedacht und dies bisher auch wegen einigem an Gegenwind nicht wettmachen konnte, versuche ich nun alles zu geben, damit ich rechtzeitig Russland verlassen kann - und ich möchte endlich Berge sehen! Doch auch nach Omsk komme ich nicht gut voran, Magen-Darmprobleme machen mir zu schaffen. Ich weiß nicht wie ich es rechtzeitig zur Grenze schaffen soll. Als ich abends noch fahre und mir ein LKW-Fahrer anbietet, mich ein Stück mitzunehmen, fahre ich daher 200km mit, soweit, dass ich die restlichen Kilometer packen kann. Die nächsten Tage fahre ich was das Zeug hält, weil ich weiß, dass bald das Altaigebirge beginnt und ich dort noch einiges an Höhenmetern vor mir habe. Noch einmal werde ich zum Übernachten (und zur Banja (=) eingeladen, als ich abends bei Litja und ihrem Sohn Andrej nach Wasser frage. Und noch ein letztes Mal lasse ich mich 25km von Straßenarbeitern auf einer - wie ich damals glaubte - sehr schlechten sandig-steinigen Piste mitnehmen. Schließlich komme ich endlich dem Altaigebirge näher. Es gibt wieder richtigen Wald und es mückt kaum mehr!! Vor Gorno-Altaisk fahre ich seit sehr langer Zeit zum ersten Mal wieder in strömendem Regen. Überall gibt es jetzt Touristenstände, die Altai-Honig und Tee verkaufen und mir kommen einige Radfahrer entgegen. Als ich bei einem sehr kleinen Museum Halt mache, nur um mich unterzustellen, werde ich von den beiden sehr netten Frauen dort zum Tee eingeladen. Und bei einer Bushaltestelle bietet mir ein Mann an, in Gorno-Altaisk in seinem Haus zu übernachten - ursprünglich wollte ich mir dort ein Hotel suchen. Während ich weiterfahre und er den Bus nimmt, und noch überlege, wie ich die Einladung am besten noch ausschlage, weil ich kein gutes Gefühl habe, habe ich in einem Ort vor Gorno-Altaisk einen Platten. Eine Scherbe hat durch meinen Mantel geschnitten, und ich beschließe dass es vielleicht doch an der Zeit ist auch den Mantel zu tauschen. Doch zum ersten Mal kann ich einen Platten nicht flicken, weil es regnet und alles nass ist. Schließlich tut sich ein Hoftor auf und eine nette alte Babuschka bietet mir an, bei Ihnen zu übernachten. Und so bleibe ich bis zum nächsten Morgen bei Mascha, ihrem kranken Mann und einigen Katzen und flicke ganz in Ruhe den Reifen im Trockenen. Und ab gehts ins Altaigebirge. Jetzt wird es landschaftlich langsam richtig schön, an einem wilden Fluss entlang zieht sich die für die Touristen perfekt ausgebaute Straße. Während ich allmählich bergauf trete, werde ich von einem russischen Tourenradler eingeholt. Als ich Ilja erzähle, dass ich in die Mongolei fahre, erklärt er mir, dass ich am besten umkehre, er komme von dort und die Straßen seien so schlecht, wie ich es noch nicht gesehen habe. Ich bin erstmal wenig begeistert von ihm, kommt da so ein dahergelaufener Russe an und will mir, wo ich schon 4 Monate mit dem Fahrrad über die Feldwege Russlands gepoltert bin erzählen, dass ich etwas nicht fahren kann, pah! Trotzdem fahren wir ein Stück zusammen, und er erzählt, dass er zunächst über das Altaigebirge in die Mongolei gefahren ist, und er dort, weil die Straßen so schlecht waren, mit viel Sand und Bodenwellen, einen Bus zurück zur russischen Grenze genommen hat. Weil er noch Zeit hatte, ist er vermute ich nochmal zurück ins Altaigebirge gefahren. Er gibt mir eine Telefonnummer von einem Mongolen, der mir helfen kann, einen Bus nach Ulaanbaatar zu nehmen. Abends landen wir bei einem richtigen kleinen Zeltplatz, wo wir Anton und Anja treffen, die dort ebenfalls campen. Am nächsten Morgen verabschiede ich mich früh von allen Dreien, und fahre mit dem Lied, das Anja mit der Gitarre am Lagerfeuer gesungen hat im Ohr den ersten Pass hinauf. Und nachdem ich am nächsten Tag den 2. Pass geschafft habe, fahre ich immerzu ein großes Flusstal hinauf, das so unglaublich schön ist, wie ich es an keinem anderen Ort je gesehen habe. Im Tal ist die Landschaft steppenartig, es ist sehr warm, und der Fluss hat sich tief in die Ebene eingegraben, sodass ich, obwohl ich flussaufwärts fahre, es immer wieder lange Strecken bergab geht. Die Berge zur Rechten und Linken wechseln ständig zwischen Wald und unterschiedlichstem Fels. Und ständig habe ich Rückenwind, sodass ich kaum merke, dass ich bergauf fahre. Überall gibt es Erdmännchen in der Ebene, die schnell weglaufen, wenn man sich ihnen nähert. Als ich bei einer großen Flussschleife eine Gruppe Leute mit einem Raftingboot sehe, fahre ich herunter ans Ufer. Schon in Georgien habe ich ein Raftingcamp gesehen und mir gedacht, dass ich das gerne mal ausprobieren würde! Also frage ich nach, wo man hier raften kann, und scheinbar gibt es rund hundert Kilometer weiter tatsächlich ei Raftingcamp! Ich überlege, ob ich dafür vielleicht diesmal noch Zeit habe, wenn ich ordentlich in die Pedale trete, und beschließe ein wenig zu pokern. Ich würde mich zu sehr ärgern, wenn ich die Gelegenheit nicht nutze. Also zelte ich schließlich dort, um zu sehen, ob am nächsten Morgen eine Gruppe kommt, der ich mich anschließen kann - und tatsächlich taucht pünktlich eine Gruppe junger Leute aus Moskau auf. Von der Sicherheitseinweisung verstehe ich recht wenig, also versuche ich einfach das zu machen, was die anderen auch machen. Und so treiben und paddeln wir mit den Befehlen unseres Steuermanns "Gribjom!" "Ljeva nasad!" eine Stunde durch die Stromschnellen, bevor ich mich mittags hochmotiviert ab Richtung Grenze mache. Am nächsten Morgen breche ich in aller Frühe auf - es ist der 15. August, der letzte Tag meines Russlandvisums! Mit Rückenwind und Regen überall um mich herum - ich fahre in der Sonne - erreiche ich nachmittags Taschanta, wo bereits der russische Grenzposten ist! Perfekt, ich dachte der kommt erst auf dem Pass in 20km! Um noch einmal Energie zu tanken, mache ich kurz Pause in einem kleinen Cafe - es ist ziemlich kalt hier und leichter Regen setzt ein. Kein Wunder, denn ich bin, ohne es zu merken, in den letzten Tagen auf 2200m heraufgefahren. In dem Cafe treffe ich eine Gruppe Deutsche, die als Exkursion von ihrer Uni durch das Altaigebirge und die Mongolei reisen. Das sollte nicht das letzte Mal bleiben. Und sehr nette russische Touristen schenken mir hier eine mongolische Simkarte und ein wenig mongolisches Geld - für mich ein sehr großes Geschenk, weil ich in Deutschland keine Tugrik bekommen konnte und vor genau einem Tag vor lauter Wechseln mit der russischen Simkarte, die oft keinen Empfang hatte, meine deutsche Simkarte verloren habe! Und so mache ich mich auf über die russische Grenzkontrolle - und bin glücklich, die Zeit bis zum Ablauf des Visums komplett genutzt zu haben - und hinauf zum letzten Pass im Niemandsland. Als ich den letzten Anstieg hinaufschnaufe, gibt es auf einmal oben auf dem Pass einen Regenbogen, sodass es so aussieht, dass wenn ich oben angekommen bin, hindurchfahre. Wann hat man schonmal die Gelegenheit auf 2400m unter einem Regenbogen hindurch in ein anderes Land zu fahren!