Russland Teil 3 - Ural

Written by Esther on Mittwoch September 14, 2016 - Permalink -

Nachdem ich zuvor an Feldwegen und kleinen Straßen mitgenommen habe, was möglich war, komme ich in Ufa wieder einmal nicht um die Autobahn herum und fahre auf einer 4-spurigen Straße in die Stadt hinein - die schönste Stadt, durch die ich in Russland kommen werde. Während sich die russischen Städte an Charme und Liebreiz mit ihren Plattenbauten und staubigen, lauten und fahrradfeindlichen Straßen gegenseitig übertreffen, komme ich mitten in Ufa zuerst über einen Fluss, an dem ein großer Badestrand mit bunten Sonnenschirmen der Stadtkulisse aus modernen und architektonisch sehr kreativen Hochhäusern und einer riesigen Moschee gegenüberliegt. Und später entdecke ich sogar einen Radweg dem ich kilometerweit durch die Stadt folge, die an dem Tag wieder einmal kein Ende nehmen will. Als es dunkel wird, gibt mir ein Radfahrer, der mich ein Stück begleitet hat, den Tipp, bei einer Tankstelle zu zelten, was jedoch nicht möglich ist. Am Ende kann ich nebenan bei einem bewachten Autoparkplatz übernachten - keine gute Idee. Der alte Mann, der die ganze Nacht wach bleibt, weckt mich nachts um 2, weil mein Fahrrad umgefallen ist, und morgens um 5, damit ich aufbreche, bevor die ersten Leute kommen! Während er am Morgen die kleinen Babyhunde, von denen einer nur kriechen kann, mit Wodka füttert - damit sie nicht auch "krank" werden, fahre ich schlaftrunken und leicht verärgert los. Als ich nach 3km das Schild "Alles aus Holz" lese, das mir gestern abend schon aufgefallen war, dämmert mir, dass ich mit meinem benebelten Holzköpfchen in die falsche Richtung losgefahren bin! Sobald ich Ufa endlich hinte mir gelassen habe, mache ich erst einmal einen Mittagsschlaf, und nehme mir vor, vielleicht doch nächstes Mal gleich ein Hotel zu suchen^^.
Hinter Ufa wird es nun endgültig bergiger - es geht ins Uralgebirge und wird damit auch landschaftlich interessanter. Wieder geht es ab entlang einer Bahnstrecke in einem Flusstal über Holperpisten und kleine Straßen. Und endlich gibt es statt Feldern und Wiesen überall wunderschönen Urwald soweit das Auge reicht! Natürlich freue nicht nur ich mich über so viel unberührte Natur, sondern auch mein neuer persönlicher Feind, jede Menge Mücken und Fliegen^^. Während mir eines morgens ein Midgie (Minimücke) genau in den Lidrand sticht, sodass mein Auge im Laufe des Tages immer dicker wird und ich die antibiotischen Cortisonaugentropfen zücken muss, um es zu retten, werde ich an einem anderen Tag auf einer Schotterpiste von einer Fliegenwolke verfolgt. Dabei geht meinem Vorderreifen leider die Luft aus. Und weil ich nicht ganz wahrhaben möchte, dass ich einen Platten flicken muss, während mich die Fliegen in den Wahnsinn treiben, darf ich neben dem 1. Loch durch einen Metallspan noch zwei weitere flicken, weil ein Stein auf die Felge durchschlägt. Waaaaah! Ich übe mich in Selbstbeherrschung. Zum Glück belästigen einen die Fliegen weniger wenn man nach einem Moment Rast aufhört zu schwitzen, was man von den Moskitos nicht sagen kann, aber dazu mehr aus Sibirien!