Russland Teil 2 - Der wildeste Osten

Written by Esther on Freitag August 19, 2016 - Permalink -

Nach 10 Tagen Pause in Deutschland gehts weiter! In Samara besuche ich noch ein Fahrradgeschäft - wer weiß wo ich wieder eines finde - und lasse meine Schaltzüge erneuern. Ich habe mir vorgenommen wo es geht die M5 zu vermeiden, eine Straße mit dem Verkehr einer deutschen Autobahn, die aber in der Regel einspurig und ohne Seitenstreifen ist, und stattdessen Umwege und schlechte Straßen oder auch Feldwege in Kauf zu nehmen. Damit ergibt sich eine neue Herausforderung: Es gibt hier keine Straßenschilder! Also frage ich mich fleißig durch und arbeite an meinem Russich. Interessanterweise passiert es mir immer wieder, dass selbst die Leute vor Ort mir nicht sagen können, wohin ein Weg führt, oft weil sie für weitere Strecken nur die großen Straßen benutzen. Als ich eine größere Strecke von der M5 abweichen möchte, schaffe ich es Dank einer Gruppe von Taxifahrern herauszufinden, dass es wie in der Karte verzeichnet auch südlich eine Brücke über den Fluss gibt und mache mich auf den spannenden Weg, von dem sie mir abraten, weil die Empfehlung der Autofahrer selbstverständlich der M5 gilt. So tuckere ich über kleine ruhige Straßen und Feldwege, orientiere mich mit meiner Karte und dem Sonnenstand und begegne echten Cowboys, die zu Pferd die Kühe durch den Fluss treiben. Als ich in die Nähe der vermeintlichen Brücke komme, frage ich mich durch, und ein Junge zeigt mir genau, welchen Weg ich nehmen muss. Es wird schlammiger und schließlich kommt Wasser. Ich fahre weiter einen Fahrweg auf einer Wiese, bis ich einen Fischer sehe, und frage nochmal nach, weil es hier absolut nicht nach einer Brücke aussieht, und er erklärt mir, dass der Weg durch das Wasser geht, das nur kniehoch ist! Wenn er das sagt... also zurück und ab die 30m durch das Wasser schieben - weil der Weg hier eine Kurve macht, konnte man nicht sehen, ob es weitergeht. Und dann nichts wie weiter, bevor mich die Mücken auffressen! Und tatsächlich komme ich in einen kleinen Ort, wo ich auf einen Tee eingeladen werde. In einer Garage bindet ein anderer gerade Birkenzweige, und ich denke mir: Einmal würde ich gerne in eine echte russiche Banja gehen! Während ich das Wasser aus meinen Schuhen ausleere erzählt mir ein leicht angeduselter Mann, dass ich der erste Tourist bin, der jemals durch diesen Ort gekommen ist! Er ist so begeistert, dass er darauf besteht, mir zu helfen, mein Rad einen Kilometer den Berg hinaufzuschieben (:. Und ich fahre weiter über Schotterpisten, und als ich am Abend mal wieder nach dem Weg frage, werde ich von Railja, einer Lehrerin im Alter meiner Eltern, zum Übernachten eingeladen. Sie erzählt mir, dass hier in Baschkirien die Tartaren leben, die eine Sprache sprechen, die mit dem Türkischen verwandt ist und diese türkisgrünen Häuser haben. Später darf ich zum ersten Mal eine Banja benutzen, werde mit Birkenzweigen ausgepeitscht, und bin völlig verwirrt, dass man dort das Wasser auf das Holz zum Sitzen und auf den Boden kippt, wenn man sich in der Banja wäscht und das Handtuch nur zum Abtrocknen benutzt. Es gibt kein größeres Geschenk für einen Radreisenden als die Einladung in eine Banja!