Istanbul

Written by Esther on Freitag Mai 20, 2016 - Permalink -

Huhu, endlich hab ichs bis Istanbul geschafft! Weils so schön ist, und ruhig, weil dieses Jahr die Touristen ausbleiben, bin ich länger geblieben als gedacht und wir fahren heute weiter - Zeno ist jetzt in der Türkei mit dabei.
Zuletzt hatte ich von Novi Sad in Serbien geschrieben - danach hatte ich zum ersten Mal zwei richtig harte Tage - 6° und strömender Regen. Ich hatte überlegt am 2. Tag den Zug zu nehmen, um nach und nach herauszufinden, dass nur Güterzüge auf de gedachten Strecke fahren und Staniza nicht Bahnhof sondern eher Bubahnhof meint /:. Also habe ich mich noch einen ganzen Tag im Regen gequält, und habe sehr damit gehadert, dass ich nicht schon früher einen Flug von Belgrad gebucht hatte, dann wäre ich an dem Tag bei der standesamtlichen Trauung meines Bruders gewesen. Danach wurde das Wetter zum Glück aber wieder schön, und ich bekam das Gefühl, dass Serbien mich aufhält und nicht möchte, dass ich nach Bulgarien komme, weil die Leute dort so freundlich waren, ich wegen falscher Beschilderung einmal 2-3 Stunden gebraucht habe, um den richtigen Weg zu finden (aber der Ausblick über die Donau war unvergleichlich^^), mein Freilauf angefangen hat, Probleme zu machen, und die Landschaft so toll war. In Bulgarien angekommen, stellte ich fest, dass Serbien wohl Recht hatte, ich hatte dort einen Start wie er schlechter nicht hätte sein können: Nachdem ich es noch nach Vidin geschafft hatte, um dort den Bus nach Sofia zu nehmen, und Dank hilfsbereiter Leute mein Rad und Ausrüstung in einem Autohaus unterstellen konnte, bekam ich in der Nacht im Hotel Fieber, Schüttelfrost und Erbrechen und verpasste am nächsten Morgen erst einmal den Bus, weil ich nicht an die Zeitumstellung gedacht hatte. Danach war ich heilfroh für eine Hochzeit und um Zeno beim Umzug zu helfen in Deutschland zu sein, weil ich dort noch 5 Tage unter Durchfall und Bauchkrämpfen litt. Zurück in Vidin ließ ich es dann erst einmal ruhiger angehen, und entschied mich neu statt auf der bergigeren bulgarischen Seite auf der flacheren rumänischen Seite zu fahren. Dort war die Mentalität zunächst eine ganz andere. Überall wurde man gegrüßt, nun mit "Hola" "Bunabuna" oder "Thsao" ,die Kinder haben sih in einer Reihe aufgestellt um die Hand abzuklatschen und überall waren Pferdekarren unterwegs - mir als Radfahrer natürlich deutlich sympathischer als Autos. Später ging es auch nicht mehr überall so ausgelassen zu, aber insgesamt war ich sehr froh ungeplanterweise doch durch Rumäien gekommen zu sein. Wieder in Bulgarien ging es dann los mit den Bergetappen. Als ich am ersten Tag dort nach einem sehr langen Anstieg am Abend festegestellt habe, dass ich in einem ganz anderen ort gelandet bin als gedacht, habe ich zum Glück ein Angebot zum Übernachten und eine Dusche ((: bekommen und die Worte rechts links und geradeaus gelernt, die sich als sehr hilfreich erwiesen, da meine Bulgarienkarte nicht mehr so genau war wie die Donaukarten und kaum jemand englisch spricht. Nach weiteren Bergetappen und einem niedrigen Balkanpass kam ich endlich in Burgas ans schwarze Meer. Am nächsten Morgen traf ich lustigerweise Bernhard aus Deutschland, den ich vermutlich an meinem ersten Tag an der Donau einmal zugewunken hatte. Er wurde mir von jemandem mit den Worten:"I just saw - someone like you" angekündigt, und ich dachte mir - oh, ein Reiseradler, hinterher! Der Satz hat sich in einigen Dingn als sehr treffend herausgestellt, und wir sind über die türkische Grenze (ein Pass) gemeinsam nach Istanbul eingefahren. Mit der Abfahrt hob sich meine Stimmung deutlich, die Türken sind ein lustiges und sehr herzliches Völkchen, und wir fuhren nach Istanbul!! Am Tag der Einfahrt in die Stadt wurden wir gleich zweimal mit Obst und Gemüse beschenkt, und als ich an der Straße Milch kaufen wollte, waren 2 Frauen so nett, mich zu warnen, dass ich von der Rohmilch Bauchkrämpfe bekommen würde, als ich anfing zu trinken. Wir nahmen die nette Einladung zu Tee und Essen an, was mir Kraft gab für das Schlimmste was ich bisher jemals gefahren bin: Die 3-spurige Autobahn nach Istanbul bei Gewitter und Hagel und einem mörderischen Anstieg mit bellenden Hunden auf der einen Seite und schnellen Autos und LKWs auf der anderen Seite. Alleine hätte ich vermutlich irgendwann aufgegeben. Als wir dann bei der erstbesten Möglichkeit von der Autobahn abfuhren, schwommen die Füße in den Schuhen, aber es war nachts um 2 und die weitere Küstenstraße ruhig, und wir waren so froh dort anzukommen, dass wir morgens noch in der Morgendämmerung spazieren waren, wo nur Hunde und Katzen auf den Touristenplätzen unterwegs sind.
Jetzt fahren wir weiter an der Nordküste der Türkei - Zeno fährt bis Trabzon mit, ich hoffe ich bekomme dort endlich meinen Reisepass. Und ich entschuldige mich, dass ich jetzt vermutlich vo Tiflis nicht mehr schreiben werde - ich merke, dass wenn ich in Begleitung fahre, ich mich zu sehr dazu zwingen muss, mich an das Netbook zu setzen.

P.S.: @Theresa: Ich habe jetzt tatsächlich ein paar (von mir geflickte) Flipflops dabei, die habe ich in Bulgarien gefunden (;.