Einmal Hongkong und zurück

Written by Esther on Montag September 4, 2017 - Permalink -

Auch als ich mit dem Rad weiterfahre bleibt das Wetter am Jangtse so neblig und regnerisch, dass ich kaum etwas vom 3-Schluchtenstaudamm und der Yichang-Schlucht sehe. Immerhin wird es nach der Stadt Yichang beträchtlich weniger bergig, und so komme ich endlich mal wieder gut voran als ich meinen Bogen in Richtung Zhangjiajie einschlage. Überall werden jetzt Mandarinen angebaut. In den nächsten Tagen muss ich einmal aus China ausreisen, damit ich mit meiner Wiedereinreise noch einmal 30 Tage Visum bekomme, und so fahre ich an einem abend im Dunkeln in Cili ein, um mein Rad dort in einem Hotel zu parken und am nächsten Morgen den Zug über Huaihua (von dort habe ich schon das Ticket) nach Hongkong zu nehmen. Zum Glück treffe ich bei der Einfahrt in die Stadt Mountainbiker, die mir den Weg zeigen, sodass ich ohne langes Suchen ein billiges Hotel direkt am Bahnhof finde. Die Bahnhofshalle hat schon geschlossen, aber das Hotelpersonal ist so nett für mich herauszufinden, dass es morgen leider nur einen einzigen Zug nach Huaihua gibt, mit dem ich meinen Anschluss erreiche, und zwar um 02:55 Uhr! Also hole ich mir noch schnell was zu essen, bevor ich todmüde ins Bett falle. Immerhin habe ich im Zug genug Zeit auszuschlafen.

Mit einem "hard seat"-Ticket im sehr einfachen Sitzabteil fahre ich nach Huaihua, wo ich dann noch den halben Tag Zeit habe, bis ich abends den Anschlusszug nehme, diesmal im Bettenabteil, wo je 3 Betten übereinander gestapelt sind und man sich zu sechst einen kleinen Tisch teilt. Mein Bett ganz unten gebe ich an zwei Eltern mit Kind ab, mit denen ich ein wenig ins Gespräch komme. Später schmökere ich in meinem Reiseführer und mache mir eine Instant-Nudel-Suppe – natürlich gibt es im Zug einen Heißwasserspender. Ich sehe niemanden ein Buch oder Zeitung lesen.

Als wir am nächsten Morgen in Shenzhen einrollen, hilft mir der Vater noch beim Metroticket kaufen. Ich fahre noch ein paar Stationen zur Grenzkontrolle – und bin in Hongkong!

Hier suche ich mir erst einmal ein billiges Zimmer in den offensichtlich von Indern oder Pakistanern dominierten Chunking mansions. Abends besichtige ich die gigantische Skyline am Hafen – sowas habe ich noch nie gesehen, 10 Gebäude sind teil einer Lichtshow und blinken in wechselnden Farben oder fungieren als überdimensionale Litfaßsäule. Später ziehe ich noch über einen der Night markets, der aber recht touristisch ist. Am nächsten Tag regnet es sehr viel, daher lasse ich ein Besuch auf Victoria Peak ausfallen, der wie Spitzen der höchsten Wolkenkratzer in den Wolken liegt. Stattdessen ziehe ich durch Gassen mit Antikgeschäften und Tempeln und weil es abends erst so richtig losregnet gehe ich ins Kino, wo neben russischem Ballett, britischem Theater auch der neue Kinofilm von Michael Moore läuft: Where to invade next.

Die nächsten beiden Tage fahre ich dann wieder mit dem Zug zurück nach Cili, von wo ich noch ein Paket zurück nach Deutschland schicke, bevor ich um 6kg erleichtert wieder zur nächsten Touristenattraktion aufbreche: Zhangjiajie.