Die Berge im Westen

Written by Esther on Mittwoch November 2, 2016 - Permalink -

3 Tage verbringe ich in Beijing gefühlt die meiste Zeit damit, durch die kleinen Gassen um die Haupttouristenmeile zu schlendern, und mich durch das Straßenessen durchzuprobieren - von Süßkartoffeln zum Frühstück, im Sud gegarten Innereien und Wurst am Stiel bis zu einem kleinen sehr einfachen Restaurant mit selbstgemachten Nudeln. In meinem Hostel treffe ich einige Backpackertouristen, die ein paar Wochen bis ein ganzes Jahr durch China bis um die ganze Welt reisen. Wieder einmal lasse ich das meiste Geld in einem Radladen, um mich mit neuen Teilen auszurüsten, aber scheitere daran Brennspiritus zu finden und ärgere mich über China mobile, die es nicht organisiert bekommen, meine Simkarte für Telefonate ins Ausland freizuschalten - dazu müsste ich zurück in die innere Mongolei fahren.
Einen Tag nehme ich mir Zeit, den etwas außerhalb gelegenen Sommerpalast zu besichtigen, in der Hoffnung den Touristenmassen im Zentrum zu entfliehen - wegen des Nationalfeiertags am 01. Oktober haben viele Chinesen eine Woche frei und gefühlt halb China scheint in dieser Woche Beijing zu besichtigen. Aber auch der Sommerpalast ist gegen nachmittag so überlaufen, dass ich mich schnell wieder auf den Weg zurück zum Hostel begebe, wo ich beschließe, nicht in Beijing zu bleiben, bis die Feiertage vorbei sind und ich mein Visum verlängern kann, sondern nach einem Regentag mit Blogschreiben und Routenplanung für China aufzubrechen und mein Visum in Taiyuan oder Xi'an zu verlängern.
Die Ausfahrt aus Beijing in Richtung Westen zieht sich deutlich länger hin als die Einfahrt aus dem Norden, aber sobald ich das Stadtgebiet verlasse, bin ich sofort wieder in den Bergen. Und wieder kurbele ich mich eine perfekte Straße mit äußerst gepflegtem Straßenrand, wo rotes Weinlaub die Felsen dekoriert, die Berge hinauf. Mein Rad hat deutliches Übergewicht, nachdem ich jetzt nicht nur ein dickes Chinesischwörterbuch, sondern dazu auch noch einen Lonely Planet, Sojasoße, Öl, Essig und jede Menge Proviant an Bord habe. Ich hätte die Schilder vor Beijing mit dem durchgestrichenen Elefanten auf dem Laster beachten sollen^^. Zu der Steigung pustet mir stetig ein kalter Wind aus Westen entgegen - ich hoffe die Radreisenden, die jetzt aus Kirgisistan nach China reisen, haben ihn im Rücken - und wieder sehe ich beim Sonnenaufgang in den Bergen den Frost auf meinen Taschen. Ich bewundere insgeheim die Langzeitradfahrer, die auch im Winter und bei Schnee unterwegs sind, dafür wäre ich definitiv ein zu großes Weichei. Als ich schließlich über den Pass vom Bezirk Beijing zurück über Hebei in Richtung der Provinz Shanxi hinab fahre, kann ich schon in der Ferne im Tal erahnen, welch Smog mich dort erwartet...